Heiraten – aber wie?

hochzeitszeremonie

Erst kommt die standesamtliche Trauung und dann geht es in die Kirche, entweder am gleichen Tag oder einen Tag später – so war es einmal. Manche Paare heiraten immer noch auf diese Weise, doch es gibt heute viele andere Möglichkeiten, fast maßgeschneidert auf die eigenen Bedürfnisse.
Von Cornelia Resch

Das Ja im Standesamt

Für die einen ist die standesamtliche Trauung ein notwendiges Ritual, das sein muss, um die Ehe rechtlich anerkennen zu lassen. Für andere Paare ist es die einzige Trauzeremonie, die entsprechend gewürdigt werden soll. Ist die kirchliche oder freie Trauzeremonie das wichtigere Ereignis für ein Paar, nutzen viele die Räume im Standesamt des Wohnortes für eine „kleine“ Trauungszeremonie. Heute kann das Paar sogar alleine vor die Standesbeamten treten, Trauzeugen sind nicht mehr zwingend notwendig. Es ist aber eine Tradition, einen oder zwei Menschen, die dem Paar nahe stehen zu fragen, ob er oder sie Trauzeuge sein möchte. Selbst zwei Trauzeugen jeweils für Braut und Bräutigam sind zulässig, aber eher ungewöhnlich. Häufig werden Geschwister oder Freunde gefragt, aber auch die Eltern können Trauzeugen sein. Bei einer Trauung im Standesamt des Wohnortes fallen neben den Gebühren für die Anmeldung zur Eheschließung keine weiteren Kosten an.

Dies ist anders, wenn das Paar eine sogenannte „Ambiente-Trauung“ wünscht. Es gibt nur noch wenige Gemeinden und Städte, die das nicht anbieten. Dabei handelt es sich entweder um besonders schöne und große Säle im Rathaus oder um „Außenstellen“ des Standesamtes. Eine rechtskräftige standesamtliche Trauung kann nicht an jedem beliebigen Ort durchgeführt werden. Es gibt Richtlinien dafür, wie dieser Ort beschaffen sein muss und er muss von der Verwaltung zum offiziellen Trauort bestimmt werden. Zu den Richtlinien gehört, dass nicht auf hoher See oder auf einem Fluss während der Fahrt mit dem Schiff getraut werden kann. Der Trauort muss eindeutig einem Land und einer Gemeinde zugeordnet werden. So kann beispielsweise auf einem Rheinschiff geheiratet werden, wenn es im Hafen einer Stadt fest vor Anker liegt. Angenommen es fährt zwischen Köln und Leverkusen, wäre nicht exakt zuzuordnen, auf welchem Stadtgebiet es sich gerade befindet. Damit wäre die Trauung möglicherweise ungültig. In den meisten Regionen gilt außerdem, dass die Trauung in einem bestimmten Raum stattfinden muss und/oder, dass ein Dach über diesem Ort sein muss. Eine standesamtliche Trauung auf der Wiese, unter freiem Himmel ist insofern nicht möglich.

Die Stadt Köln beispielsweise hat über 20 verschiedene Orte, an denen die Standesbeamten der Stadt trauen dürfen. Dies sind mittelalterliche Torburgen, wie die Severinstorburg, das können Festsäle in öffentlichen Gebäuden sein, spezielle Räume im Zoo oder eben auf den Rheinschiffen. Kleinere Gemeinden stellen oftmals ein außergewöhnliches Museum oder unter Denkmalschutz stehende Häuser zur Verfügung. Die Anmeldung erfolgt in jedem Falle im Standesamt des Wohnortes. Zu beachten ist dabei, dass für die Nutzung der Räume weitere Gebühren anfallen, die sehr unterschiedlich hoch sein können. Viele Standesämter zeigen die Räume und Bedingungen im Internet, geben aber auch persönlich Auskunft darüber.

Natürlich ist es auch möglich, in einem anderen Ort zu heiraten, als dort wo das Paar gemeldet ist. Auch dann erfolgt die Anmeldung über das Standesamt des Wohnortes. Das Paar gibt seinen Wunsch Trauort an. Dorthin werden dann von Amt zu Amt die Papiere weitergereicht. Das persönliche Gespräch und die Terminvereinbarung erfolgen dann im Standesamt der Trauung.

Immer häufiger wählen Paare diese Möglichkeit nicht nur in Deutschland, sondern auch im Ausland. Dazu sollte schon frühzeitig mit der Planung begonnen werden. Zunächst ist zu klären, ob im Wunschland eine Trauung möglich ist, die in Deutschland anerkannt wird. Dann sind einige Formalien zu klären, die etwas mehr Zeit in Anspruch nehmen können. Auch nach den Kosten und der Abwicklung sollte sich das Paar im Vorfeld genau erkundigen. Dazu gibt es neben den Standesämtern Spezialisten, wie Hochzeitsplaner oder Hochzeits-Reisebüros, die beraten und dem Brautpaar viel Arbeit abnehmen können.

Die Trauung in der Kirche

Dadurch, dass es die Möglichkeit der Ambientetrauung gibt, müssen Paare, die nicht kirchlich orientiert sind, nicht mehr auf die festliche Zeremonie verzichten. Ein positiver Aspekt ist auch, dass sich heute überwiegend Paare für die kirchliche Trauung entscheiden, die aktiv in der Kirche und im Glauben sind oder denen der Segen wirklich wichtig ist. Keiner muss heute in einer Kirche heiraten, um im Hochzeitskleid und mit festlichem Rahmen das Ja-Wort zu geben.

Seit einigen Jahren kann die kirchliche Trauung sogar ohne vorherige standesamtliche Trauung stattfinden. Dabei gilt allerdings zu bedenken, dass der Staat diese Beziehung weiterhin als nichteheliche Lebensgemeinschaft sieht. Das hat Konsequenzen für Unterhalt, Erb- und Steuerrecht. Ältere Paare nutzen diese Möglichkeit, um den christlichen Segen für ihre Partnerschaft zu bekommen. Sie möchten aber steuerlich und wirtschaftlich unabhängig bleiben. Für jüngere Paare, vor allem solche, die eine Familie gründen wollen, ist dies nicht unbedingt sinnvoll.

Die Kirchen sind heute offen für viele verschiedene Trauformen. Schon lange ist es kein Problem, wenn ein Partner katholisch, der andere evangelisch ist. Allerdings gibt es die ökumenische Trauung in dem oft falsch verstandenen Sinn nicht. Wer ökumenisch heiratet, muss sich dennoch entscheiden, ob der Schwerpunkt in der evangelischen oder katholischen Kirche liegt. Hinzu kommt ein Geistlicher der anderen Konfession und begleitet die Trauung. Katholiken können heute sogar in der katholischen Kirche heiraten, auch wenn der Partner nicht getauft ist. Jeder Katholik hat ein Recht auf eine kirchliche Trauung. Abgesehen davon, dass grundsätzlich Traugespräche geführt werden müssen, sollten sich Paare mit unterschiedlichem religiösen Hintergrund ganz genau beraten lassen und sie müssen sich einig sein, ob es für beide das Richtige ist. In der katholischen Kirche sind Trauzeugen übrigens nach wie vor verpflichtend. Kosten entstehen meist, wenn nicht in der eigenen Gemeinde geheiratet wird. 

Die freie Trauung

Immer mehr Paare kennen das Ritual der freien Trauung und nutzen es für sich. Das ist für Paare sinnvoll, die nicht in der Kirche heiraten können, aber dennoch einen christlichen Segen wünschen. Partner, die beide aus der Kirche ausgetreten sind, katholische Partner, die bereits eine katholische Trauung erlebt haben und geschieden wurden oder gleichgeschlechtliche Paare, nutzen diese Möglichkeit gerne. Aber auch Paare, die eine maßgeschneiderte Trauzeremonie wünschen, ohne Rücksicht auf Kirchenrecht, planen die freie Trauung. Freie Theologen besiegeln die Ehe auch vor Gott. Sie sind an keine Konfession gebunden. Steht der Glaube nicht im Mittelpunkt, sondern eine ganz persönliche, freie Trauungszeremonie, können es ebenfalls Theologen übernehmen oder freie Redner.
Dann ist es die persönliche Geschichte des Paares, die zum Thema wird. Bei einer solchen Trauzeremonie kann das Paar selber und frei entscheiden, wo sie stattfinden soll und wie sie gefeiert wird. Texte und Musik sind vollkommen frei wählbar. Die Vorgespräche mit den freien Theologen oder Rednern sind meist sehr intensiv, damit es ein ganz persönliches und individuelles Fest wird. Natürlich entstehen auch bei dieser Form der Trauung extra Kosten für die Räumlichkeiten sowie deren Vorbereitung und für den freien Theologen oder Redner. Wer allerdings im eigenen Garten, am Ufer eines Flusses oder auf einer Waldlichtung heiraten möchte, kann dies tun, muss allerdings, je nach Größe der Gesellschaft nachhaken, ob an den Wunschort nichts dagegen spricht.

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